Wilhelm Leuschner, ein Leben für die Demokratie

Mathematik und Physik für den perfekten Schuss

Ehrung der Frontkämpfer des ersten Weltkrieges 1934: Der eigentlich von Hindenburg gestiftete Orden wurde später von Adolf Hitler verliehen. „Im Namen des Führers und Reichskanzlers“. Zur Zeit der „Ehrung“ befand sich Leuschner im KZ. Bild: Nasser Amini


Königlich Preußischer Artillerie-Messtrupp 97: Anhand von Licht- und Schallmessungen muss Leuschner die genaue Einstellung der Geschütze berechnen. Die Zeichnung stammt von der polnischen-russischen Front, wo er in Pinsk (heute Belarus) stationiert war. Bild: Nasser Amini


Kirchtürme und Landschaften als Orientierungspunkte für die Geschütze. Bild: Nasser Amini

Artillerieberechnungsbücher von der Front

Nachdem ich mir das Artillerieberechnungsbuch Leuschners angeschaut habe, wurde mir bewusst, dass er neben seiner demokratischen politischen Tätigkeit, ein sehr guter Mathematiker und sogar Physiker war. Das kleine Heft ist voller komplizierter Zeichnungen und Berechnungen. Ich stell mir vor, dass er wohl oft die beschriebenen Berechnungen in mitten eines Gefechtes und Todesgefahrgemacht hat. Das hat mich sehr beeindruckt.

1934: „im Namen des Führers und Reichskanzlers“

1934 bekommt er, kurz nach dem er aus der KZ-Haft entlassen wurde, von Adolf Hitler eine Ehrenmedaille als Frontkämpfer des ersten Weltkrieges verliehen. Diese Ehrung wurde anfänglich von Hindenburg gestiftet und sollte für alle Frontsoldaten des ersten Weltkrieges sein. Jetzt stand auf der Urkunde: verliehen vom “Führer und Reichskanzler” Adolf Hitler. Für manche war das eine große Ehre damals, allerdings glaube ich, dass Leuschner die Medaille verabscheut hat, denn er verabscheute nicht nur den Krieg, sondern war auch ein konsequenter Gegner Hitlers.
Paul Jährling